
Nach S.H.E. Medical im August und der Sportorthopädie im September steht diesen Monat die Präventiv- und regenerative Medizin im Mittelpunkt.
Ich nehme selbst das ganze Jahr 20.000 IE Vitamin D pro Woche, nicht nur im Winter und kontrolliere 2 x/Jahr meinen Blutspiegel. Genau so gehe ich auch bei meinen Patientinnen und Patienten vor: Erst messen, dann gezielt ergänzen. Gerade im Herbst, wenn die Erkältungszeit beginnt, höre ich fast täglich: “Wie kann ich einer Erkältung vorbeugen und mein Immunsystem stärken?”
Erkältung vorbeugen: Bewegung und Schlaf als stärkste Hebel
Wer weniger als sechs Stunden schläft, hat ein mehr als vierfach höheres Erkältungsrisiko als bei über sieben Stunden. Bei der Bewegung ist “moderat” das Minimum, nicht das Ziel. Die WHO empfiehlt Erwachsenen 150–300 Minuten moderate oder 75–150 Minuten intensive Ausdauerbelastung pro Woche, dazu Muskeltraining an mindestens zwei Tagen. Mehr bringt zusätzlichen Nutzen. Kinder und Jugendliche sollten im Schnitt 60 Minuten täglich aktiv sein, dazu an drei Tagen kräftigende Aktivitäten. Wer mindestens fünfmal pro Woche Ausdauersport macht, hat laut einer Beobachtungsstudie 43 % weniger Tage mit Atemwegsinfekt. Für Sportlerinnen und Sportler ist Intensität dabei kein Problem, solange Schlaf, Erholung und Energiezufuhr stimmen.
In den Wechseljahren gilt das erst recht: Ausdauer und Krafttraining, gerne intensiv. Details dazu finden Sie in meinem Beitrag vom August zu S.H.E. Medical.
Immunsystem stärken mit Mikronährstoffen: Vitamin D, Zink und Co.
Vitamin D: Ein Vitamin-D-Mangel ist in Norddeutschland von Oktober bis März häufig, denn die Sonne reicht nicht aus. Eine Metaanalyse zeigte weniger Atemwegsinfekte, am meisten bei niedrigen Ausgangswerten und täglicher Gabe [4].
Vitamin D bei Kindern: Wenn ich bei Kindern den Spiegel bestimme, sehe ich häufig einen Mangel. Bevölkerungsdaten passen dazu: Etwa 13 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland liegen unter 30 nmol/l [6]. Das ist wichtig, denn gerade im Wachstum braucht der Körper einen guten Spiegel für den Knochenaufbau. Bei Kindern mit niedrigem Spiegel deuten Studien auf eine bessere Knochenmineralisierung durch die Gabe hin, bei Kindern mit normalem Spiegel nicht [5]. Deshalb gilt: Gezielt messen und einen Mangel ausgleichen. Für Säuglinge empfiehlt die DGKJ 400–500 IE täglich. Bei älteren Kindern gibt es keine generelle Empfehlung, 600–800 IE gelten aber als unbedenklich. Die Dosis stimme ich mit dem Kinder- und Jugendarzt ab.
Zink, Selen, Eisen, B6, B12, Folat und Vitamin C: Sie tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei. Ich ergänze sie individuell nach Ernährung, Belastung und Laborwerten.
Coenzym Q10: Es ist an der Energiegewinnung der Zellen beteiligt.
Vitamin C verhindert Erkältungen im Alltag nicht, kann aber die Dauer leicht verkürzen. Bei extremer Belastung wie Marathon oder Skifahren halbierte sich das Erkältungsrisiko.
Blutcheck: Welche Werte sinnvoll sind
Sinnvoll sind 25-OH-Vitamin-D, Ferritin mit Transferrinsättigung und CRP, Vitamin B12, TSH und ein kleines Blutbild. Eisenmangel ist bei Frauen und Ausdauersportlern ein häufiger Grund für Müdigkeit und Infektanfälligkeit. Zink, Selen und weitere Werte bestimme ich bei Verdacht oder Risikoprofil.
Infusionstherapie: Gezielt nach Analyse
Ich setze Infusionen ab und an ein, aber nicht nach Schema, sondern nach Gespräch und Blutwerten. Klar sinnvoll sind sie bei echtem Bedarf: Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, Eisen bei gesichertem Mangel, Substitution bei Resorptionsstörung. Auch in der Erkältungssaison kann eine Vitamin-Infusion nach Laborcheck eine Option sein. Dass eine Immun-Infusion oder Vitamin-C-Infusion Erkältungen vorbeugt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ob sie zu Ihnen passt, besprechen wir nach Analyse und Aufklärung, auch über mögliche Nebenwirkungen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Bewegen nach WHO, gerne mehr: Ausdauer und Krafttraining, dazu ausreichend Schlaf.
Erst messen, dann ergänzen: Ergänzt wird, was fehlt oder im Alltag nicht gedeckt wird. Das gilt für Erwachsene und besonders für Kinder.
Infusion individuell: Nach Analyse und Aufklärung, nicht als Standard.
Mein Fazit
Prävention heißt für mich, individuell zu analysieren und gezielt zu handeln, bei mir selbst genauso wie bei meinen Patientinnen und Patienten. Ein guter Vitamin-D-Spiegel ist dafür eine einfache und wirksame Basis, bei Erwachsenen und gerade bei Kindern.
Häufige Fragen
Wie kann ich einer Erkältung vorbeugen? Mit ausreichend Schlaf, regelmäßigem Ausdauer- und Krafttraining, Grippeimpfung, Handhygiene und gezielt ergänzten Mikronährstoffen.
Hilft Vitamin D gegen Erkältungen? Eine Metaanalyse zeigte weniger Atemwegsinfekte, am meisten bei niedrigem Ausgangswert. Deshalb gilt: Spiegel messen und einen Vitamin-D-Mangel gezielt ausgleichen.
Wie können Sportler Erkältungen vorbeugen? Mit ausreichend Schlaf, genug Energiezufuhr, Erholung und regelmäßigem Training sowie gezielter Kontrolle von Vitamin D und Ferritin.
Wie viel Bewegung empfiehlt die WHO? 150–300 Minuten moderate oder 75–150 Minuten intensive Ausdauerbelastung pro Woche, plus Muskeltraining an mindestens zwei Tagen.
Sollte mein Kind Vitamin D einnehmen? Säuglinge: Ja, nach Empfehlung. Bei älteren Kindern messe ich den Spiegel gezielt und gleiche einen Mangel aus, abgestimmt mit dem Kinder- und Jugendarzt.
Hilft eine Vitamin-C-Infusion gegen Erkältungen? Zur Vorbeugung bei Gesunden gibt es dafür keinen belastbaren Nachweis. Ob eine Infusion für Sie infrage kommt, klären wir nach Analyse.
Wann ist eine Infusion sinnvoll? Bei nachgewiesenem Bedarf oder nach individueller Analyse und Aufklärung.
Quellen
Prather AA et al. Sleep 2015;38(9):1353–1359.
Bull FC et al. WHO 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med 2020;54(24):1451–1462.
Nieman DC et al. Br J Sports Med 2011;45(12):987–992.
Martineau AR et al. BMJ 2017;356:i6583.
Winzenberg T et al. Effects of vitamin D supplementation on bone density in healthy children: systematic review and meta-analysis. BMJ 2011;342:c7254.
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Daten zur Vitamin-D-Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, 2025.
Ernährungskommission der DGKJ: Stellungnahme zur Vitamin-D-Supplementierung bei Kindern ab zwei Jahren.
Hemilä H, Chalker E. Cochrane Database Syst Rev 2013;(1):CD000980.

